Rechnitz. Der Würgeengel

Inszenierung Milos Lolic
Bühen Paul Lerchenbaumer Kostüme Jelena Miletic Choreographie Jasmin Avissar Dramaturgie Veronika Maurer & Perisa Perisic

Thomas Frank Katharina Klar Sebastian Klein Steffi Krautz Kaspar Locher Claudia Sabitzer Birgit Stöger Jasmin Avissar

Rechnitz. Der Würgeengel“ –  Elfriede Jelineks Historiendrama wurde unter Jossi Wieler im November 2008 in den Münchner Kammerspielen uraufgeführt, 2012 wurde „Rechnitz“ auch am Schauspielhaus Graz gezeigt, Steffi Krautz, nunmehriges Ensemble-Mitglied des Volkstheaters in Wien, war auch zu damaligen Zeitpunkt in die Inszenierung von Michael Simon involviert.

2009 wurde Jelineks Historiendrama „Rechnitz. Der Würgeengel  in Wielers Inszenierung zum Stück des Jahres seitens Theater Heute gekürt, ebendann folgte eine Ehrung durch den Mülheimer Dramatikerpreis ebenso wie der österreichische Theaterpreis „Nestroy“ für das beste deutschsprachige Stück.

Jelinek thematisiert in „Rechnitz. Der Würgeengel“ die historischen Ereignisse der Nachstunden vom 24. auf den 25. März 1945, die als das Massaker von Rechnitz in die österreichische Gegenwartsgeschichte eingingen. Unter Geheiß der Margareta Gräfin von Batthyány, geborene Thyssen-Bornemisza, und deren „Gästen“ 180 – 200 Intervenierte magyarisch-jüdischer Herkunft kaltblütig und in monströser Weise unweit des Schlosses Rechnitz * beziehungsweise des Kreuzstadls **, einem Teil des Guthofes, erschossen. Man geht von etwa 40 – 50 beteiligten Personen dieses Erschiessungskommandos aus, die von der Gräfin und dem Grafen, Angestellten des Gutshofs Mitgliedern des Volkssturms SA-Führern, Angehörigen der Gestapo und Vertretern der Kreisleitung sowie der Wehrmacht in Schloss Batthyány während eines NSDAP-Kameradschaftsfest gemordet wurden. In weiteren Nächten wurden 20 weitere jüdische Zwangsarbeiter liquidiert, die zuvor Totengräberdienste leisten mussten.  Auch schafft Elfriede Jelinek durch das Einbeziehen der „Boten“ in ihr Historiendrama bzw. durch das ex tempore in den Inszenierungen, Bezug zu Luis Buñuel „Der Würgeengel“.

Nach Kriegsende war das Massaker von Rechnitz Gegenstand zweier Prozesse, drei Personen wurden verurteilt, die Hauptverdächtigen niemals Prozessen zugeführt. Margareta Gräfin von Batthyány wurde nach dem Krieg der Mittäterschaft und Unterstützung der Haupttäter bei deren Flucht verdächtigt. Nach heutige Erkenntnissen spricht vieles für eine Verstrickung der „letzten Schlossherrin“ Margit (Anm. Margareta Gräfin von Batthyány) zwei der Hauptverdächtigen, SS-Hauptscharführer und Gestapo-Beamten Franz Podezin und Gutsverwalter Hans Joachim Oldenburg auch nach dem Krieg gedeckt hatte.  Es kam niemals zu einem Prozess. Batthyány, selbst konnte in die Schweiz flüchten.

*Schloss Rechnitz, im ursprünglichen Burg bezeihungsweise als heutig als das „Öde Schloss“ bezeichnet, war während des Zweitens Weltkriegs als Erholungsort der Waffen-SS genutzt worden, ab Herbst 1944 diente das nahe des Ortskern von Rechnitz gelegen Schloss als Sitz des regionalen Bauabschnitts der Organisation Tódt bzw. dem Sitz der Reichsschutzstellung, die für den Bau des Südostwalls Verantwortung trug. Jüdische Zwangsarbeiter waren in den Stallungen und Kellern des Schlosses untergebracht. Im Zuge der Befreiung von Rechnitz durch die Rote Armee wurde das Gebäude in der Nacht vom 29. zum 30. März 1945 in Brand gesetzt. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Reste des Gebäudes abgetragen, heute zeugen nur noch wenige Mauern von dessen Existenz, vom Schloss selbst ist lediglich ein Brunnen verblieben.
** Am südlichen Ortsrand von Rechnitz befindet sich heute die Gedenkstätte Kreuzstadl, bestehend aus dem historischen Gebäudeteils der ehemaligen batthyániy´schen Landwirtschaft und einem 2012 angegliederten Inforamtionskomplex.

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